
Ich liebe Pommes, ich mag Majo und stehe auf Currywurst.
Wenn ich am Zoo bin, dann kann ich mich nur schwer zurückhalten. Denn dann will ich zu Curry 36. Egal ob ich Hunger habe, oder nicht.
– Hier kann ich meine Pommes-Gelüste befriedigen.
– Hier bekomme ich eine vegane Currywurst, die verdammt gut ist!
– Hier hat die vegane Majo den Namen verdient, weil sie so schmeckt.
– Hier ist der Ketchup super!
Ein rundherum perfektes Gesamtpaket also. Lecker hoch vier!
Nur der Preis trübt vielleicht ein wenig das Erlebnis.
Man bekommt Pommes mit zwei Currywürste für knappe zehn Euro.
Gibt es allgemeine Kritikpunkte?
Ja! Die veganen Buletten fallen ab!
Aber ehrlich, wen interessieren Buletten? Mich nicht.

Notiz August 2024 und nachfolgende Ergänzungen:
Es war schon etwas Besonderes, dass ich zeitlich dicht und oft bei Curry 36 war. Im Grunde ist es so, dass ich schnell die häufig besuchten Läden oder Supermärkte wechseln will, weil das Unbehagen groß wird. Wenn ich genauer erklären könnte, wo das Problem ist, wäre ich selbst froh darüber. Es ist eine echte Beschränkung und große Herausforderung in meinem Leben. Manchmal meide ich bestimmte Läden oder andere Orte monatelang oder gehe gar nicht mehr hin. Anstrengend wird es oft auch deshalb, weil die Angestellten freundlich mehr Beziehungstiefe anbieten. Das war zuletzt auch bei Curry 36 so, was mir Unbehagen bereitet hat, wieder hinzugehen.
Zum Glück wechselte der eine Mitarbeiter zwischen den Filialen und war nicht oft am Zoo. Ein anderer aber war so überschwänglich und leicht gekünstelt freundlich, dass ich nicht einmal sicher war, ob er sich vielleicht auch lustig über mich macht. Also mied ich von da an die Imbissbude, wenn er dort arbeitete. Dazu spähte ich von einer sicheren Entfernung in den Laden. Doch ein paar Mal war ich schon zu nah dran und blieb in der Menschenschlange stehen, damit ich mit meiner Vermeidung nicht auffalle. Aber mein Verhalten bleibt leider ungelenk, irgendwo zwischen kalter Abweisung und peinlichem Opferverhalten. Und dann werden die Leute teilweise auch gehässig.
Mir war nie bewusst, wie das auf andere wirken kann. Bis mir selbst eine Frau mit dicken Kopfhörern über den Weg lief, die stark angepisst war, als ich sie wegen einer alltäglichen Belanglosigkeit ansprach und mir nur eine Auskunft erhoffte. Ich war sauer über ihre Reaktion. Hätte ich die Gelegenheit gehabt, wäre ich nicht mehr freundlich zu ihr gewesen. Entweder sie hatte einen schlechten Tag oder sie ist halt so, erklärte ich mir danach ihr Verhalten. Später aber fragte ich mich, ob es vielleicht sogar an einer Angststörung lag und sie kaum anders hätte reagieren können? Spätestens danach wurde mir klar, dass ich die Offenheit üben muss, mein Verhalten anderen gegenüber zu erklären. Weil meine Art eventuell zu ungewollten Missverständnissen führt. Transparenz bei psychischen Problemen kann ein gutes Mittel sein.
Da fällt mir noch eine kleine Begebenheit ein. Ich traf nach meinem Umzug nach Berlin einen alten Arbeitskollegen, der irgendwo im Nahbereich wohnt. Er erzählte mir von einer kleinen Veranstaltung von Kollegen und wie schön die war. Ich aber stellte mir mein Unbehagen vor, was mir öfter nachstellt, wenn ich mich in geselliger Runde aufhalte und fand an der Schilderung nichts schön. Ich war innerlich längst im Modus der Ablehnung.
Kurz darauf verabschiedete er sich mit den Worten, dass man sich ja dann wieder öfter sehe. Mir rutschte ein „ja, aber bitte nicht zu oft“ raus. Ich glaube, das war extrem irritierend für ihn. Aber ich war durch seine Erlebniserzählung emotional schon auf Distanz und habe ich es ganz anders gemeint, als er vermutlich verstand. Er sah mich jedenfalls stillschweigend und fest an, als er ging.
Je seltener ich Menschen sehe, desto wohler fühle ich mich meistens. Auf Arbeit habe ich mich beispielsweise geweigert, mehrere Tage hintereinander mit denselben Kollegen zu arbeiten und, wenn es ging, lieber allein.
Um vermeintliche Wogen zu glätten und Transparenz zu schaffen, überlege ich auch hier, wenn ich wieder auf den Kollegen treffe, dass ich ihm das erkläre und mich entschuldige.
– Aber zurück zur eigentlichen Geschichte mit Curry 36, wo ich nicht Offenheit sondern eigentlich Vermeidung als Strategie einsetzte: Zuletzt stand ich also wieder in der Schlange vor dem Imbiss, obwohl der eine Mitarbeiter da war, weil ich zu lange in den Laden spähte und dann einfach in der Schlange stehen blieb. Als ich dann am Tresen schließlich meine Bestellung mitteilte, sagte ich wie gewohnt an, dass ich vegane Mayo auf die Pommes haben will. Damit das Personal das nicht vergisst, wird in die Essensschale aus Pappe gewöhnlich eine kleine Knickmarkierung eingefügt. Als der Verkäufer dann kurz darauf mit den fertigen Pommes nach hinten zu den Soßen ging, sah ich, wie er mir die normale Mayo drauf tat. Als ich die Schale mit dem Essen bekam, lachte er mich verschmitzt an. Anstatt zu sagen, was ich sah und das ich das nicht akzeptieren kann, hab ich einfach runtergeschluckt.
In nächster Zeit werde ich leider nicht so leicht zu Curry 36 gehen.
Ich frage mich, ob ich dem Mitarbeiter hätte rechtzeitig sagen sollen, dass mein merkwürdiges Verhalten nichts mit ihm zu tun hat? Aber wie man es macht, es entstehen doch eigentlich immer Konflikte. Wichtig ist, sich das Handwerk anzueignen, konstruktiv mit Konflikten umzugehen, ein wenig darüber zu stehen, wie es sich auch entwickeln möge, und am Ende immer gut damit leben können.
Es bleibt noch lange schwierig für mich.
Schreibe einen Kommentar