Neue Lichter der Tristesse

Kategorie
Von alt (orange) nach neu (weiß):
Ästhetische Vollkatastrophe am Ufer des Tegeler Sees (Greenwichpromenade)

Die Sichtungen falscher Lichter wurden ab November 2024 registriert und untersucht. Seitdem breitet sich der lichte Wahn(sinn) aus und nimmt erschreckende Ausmaße an. Reinickendorf schädigt sich selbst.

Einige einleitende Fragen

Treibt in behördlichen Einrichtungen die Tristesse der Büroetage manche Entscheidungsträger in den Wahnsinn?
Regiert der Stumpfsinn, weil miefende Aktenberge und nikotingelbe Wände depressiv durchschlagen?
Führt das neonberöhrte grelle Bürolicht zu individuellen Farbstörungen?
Und der aufgekratzte Koffein-Kick zu fataler Übersteuerung?
Ich frage für einen Freund!

Der Befund

Zunächst stellte ich im Winter 24 fest, dass sich die nächtliche Uferbeleuchtung der Greenwichpromenade am Tegeler See allmählich änderte. Manche Laternen strahlten nicht mehr das mystisch orange Licht, sondern glänzten mit einer Atmosphäre raubenden Tiefgaragen-Beleuchtung. Fast klinisch-weiß, widerlich! Das schöne Wellenspiel des Sees wird unsichtbar, weil die Helligkeit der Laterne den dunkleren Bereichen jede Struktur raubt. Dafür sieht man auf dem Weg nun jeden angetrockneten Kaugummi. Hat ja auch seinen Reiz.
Die Wochen danach bemerkte ich, dass auch die Straßenlaternen in Wittenau, die bisher großflächig schönes Licht strahlten, vereinzelt mit einer derartigen Lichtverirrung aufwarteten, dass ich bereits Verlustängste entwickelte.
Der vorläufige Höhepunkt der katastrophalen Entwicklung war im März 2025 erreicht, als sogar schon das altehrwürdige Reinickendorfer Rathaus in der Nacht mit sterilem Licht verschandelt wurde und vermutlich noch lange Zeit wird. – Das ist ein grauenvoller Angriff der funktional-verwalteten Welt gegen jedwede Romantik. Eine ketzerisch-lichtbasierte Blasphemie gegen den Zauber im Bezirk und in der Welt.

Weitere Fragen

Erleben wir die Rache bürokratisiert abgestumpfter Menschen, die ihre innere Tristesse nach Außen tragen?
Oder wohnen sie an anderen schönen Orten und werden sich ihrer Bösartigkeit nicht einmal bewusst?
Wie sonst lässt sich die fehlende Scham erklären, den Romantikverlust des Bezirks aufgrund vermutlich fadenscheinig ökonomischer und definitiv ästhetisch unterirdischer Kriterien voranzutreiben?
Wie gesagt, – ich frage für einen Freund!

Ein Merksatz gegen diesen Stumpfsinn

An die lampen-bevollmächtigt-fehlgeleitete Behörde in Berlin-Reinickendorf:

Das orange Licht strahlt freundlich in die Nacht. Es ist kein Feind der Dunkelheit. Es sagt: „Ich bringe Licht, aber ich umarme auch die Schatten.“ Es schmeichelt der Nacht und behandelt sie und die Umgebung mit würdevollem Respekt. Das grelle weiß-gelbe Licht sagt stattdessen: „Verpiss dich, Nacht!“ Das ist unverschämt und räudig!

Beweisdokumentation

Meine Vorschläge und Gegenmaßnahmen:

  • Zuallererst: Die Entscheidung gegen das orangene Licht und für das sterile Weiß sofort zurück nehmen!
  • Ich fordere Widerstand gegen den Romantikverlust und gegen die Entzauberung der öffentlichen Plätze und der Welt! Widerstand gegen die Tristesse der verwalteten Welt! (Niemand fordert Weihnachten 365 Tage im Jahr und die richtige Balance kann ein schmaler Grat sein, aber etwas mehr Sensibilität ist erforderlich!)
  • Vielleicht: Alle Nebenstraßen mit freundlich gesinnten Farben ganz unterschiedlich beleuchten. Jede Straße, soweit möglich, sollte ihre eigene Farbe haben. In der einen Straße orangenes Licht, in der anderen grünes, dann blaues, vielleicht violettes Licht? Warum geht das nicht? Ein wenig Abwechslung macht das Leben bunt und schön. Lasst uns Straßenbeleuchtung (Gehwegbeleuchtung) entsprechend gestalten! – Falls das nicht geht, einfach das orange Licht als Standard für Wittenau beibehalten.
  • Das Rathaus Reinickendorf könnte auch in unterschiedlichen Farben angestrahlt werden. Technisch eigentlich kein Problem und die Farben könnten stündlich wechseln. Oder einfach wieder orange belassen.
  • Vor allem: Licht nur, wenn es gebraucht wird. Mehr Dunkelheit wagen!
  • Vielleicht brauchen wir einen behördlich Beauftragten für Fragen zur Verzauberung der Welt?
  • Nicht ganz das Thema, aber was mir noch einfällt: Warum gibt es keine dunklen Abteile in U-Bahnen und S-Bahnen? Wäre doch schön, wenigstens ein Abteil pro Zug zu haben. Man könnte die Augen zumachen, oder die Tunnel und die Umgebung umfänglich bestaunen und unbemerkt rumknutschen. In den Bahnhöfen könnte sich das Licht im Abteil wieder einschalten. (Rein rhetorische Frage. Hier verstehe ich die Sicherheitsaspekte durchaus. Schade ist es trotzdem, dass das nicht gut möglich ist.) – Und auch hier wieder die Frage: Warum nicht unterschiedliche Lichtfarben in den Abteilen?

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